Termine

 

Freitag, 12. November 2021, 19:30 Uhr
Gesellschaftshaus, Magdeburg

Details zum Stück

 

Beschreibung

 

Mit den Worten „sich vergnügen“ wird das italienische Verb „divertire“ nur unzulänglich und reduziert dargestellt, so vielfältig sind die Bereiche, in denen man sich zerstreuen, unterhalten, das Leben genießen kann. Und so ist auch die musikalische Gattung des „Divertimento“ in der Zeit ihrer Entstehung für die Zeitgenossen der Wiener Klassik Anlass zu tanzen, speisen oder einfach nur der Musik zu lauschen.

Bezeichnend für den Komponisten Béla Bartók, dessen Todestag sich in diesem Jahr zum 75 Mal jährt, dass er in einer Lebensphase, die von Ausgrenzung, Verzweiflung und Flucht vor den Nationalsozialisten geprägt ist, just diese Ausdrucksform wählt und mit seinem „Divertimento für Streichorchester“ ein Werk voller Optimismus und Vitalität schafft, welches sowohl dem Zuhörer wie den Ausführenden höchstes Vergnügen bereitet.

Was könnte vergnüglicher sein als ein warmer Sommerabend inmitten leuchtender Kornfelder und im Angesicht der spielenden Wellen der Adria. So beschreibt Zoltán Kodály, enger Freund Bartóks, die Entstehung seines „Sommerabends“ und fügt hinzu: „Dieses Sonett bedarf keiner Erklärung, da sich sein Dasein von selbst begründet.“

Auch die drei Werke der zeitgenössischen Komponisten aus Sachsen-Anhalt haben – jedes auf seine eigene und sehr unterschiedliche Weise – unterhaltsamen Charakter. Zum einen findet der Zuhörer in den „Fresken“ aus der Feder des 1950 in Bulgarien geborenen und seit vielen Jahren in Magdeburg ansässigen Peter Petkow gleichermaßen Erbauung und Kontemplation. Das Werk basiert auf dem Werk des in Ferrara geborenen Barockkomponisten Girolamo Frescobaldi,der weit über die Grenzen Italiens hinaus berühmt war, als Organist vieler großer Kirchen und zuletzt des Petersdomes zu Rom nachträglich zur Musikgeschichte beitrug und dessen Toccaten und Partiten für Orgel und Cembalo zum „divertierendsten“ (also unterhaltsamsten) ihrer Zeit gehörten.

Als „von freiem, spielerischem und scherzhaftem Charakter“ wird die Form des Capriccio beschrieben, dies trifft in besonderem Maße auf die für die Mitteldeutsche Kammerphilharmonie entstandene Komposition Thomas Königs zu. Der freie, sich nicht unter das Joch klassischer Formenlehre begebende Ablauf, der virtuose Umgang mit spielerischen und tänzerischen Rhythmen wie markanten Synkopen oder dem gelegentlichen Aufblitzen eines Walzers, der sich so schnell wieder zerstreut, wie er daherkam, sind im wahrsten Wortsinnen unterhaltsam auf höchstem Niveau.

Das Flötenkonzert „Tierra dos coelhos“, aus dem Portugiesischen mit „Land der Hasen“ oder „Hasenland“ übersetzt, ist die Uraufführung unseres Konzertes. Der in Brandenburg lebende und am Telemann-Konservatorium Magdeburg wirkende, leichtfüßig zwischen Klassik und Jazz sich bewegende Thomas Walter Maria verzichtet ebenso auf die klassische Dreisätzigkeit des Solokonzertes, baut vielmehr auf die Wiederbegegnung mit Rhythmen und melodischen Floskeln, bildet eine starke Einheit zwischen Solist und Orchester und verschmilzt große lyrische Passagen mit sehr perkussiven, brasilianisch anmutenden Allegri, lässt dann wiederum der Soloflöte Raum für eine ausgreifendes Kadenz, um zum Ende hin mit wenigen virtuosen Pinselstrichen das Stück zu einem sehr unterhaltsamen Ende zu führen.

Das Programm:

Béla BARTOK - Divertimento für Streichorchester Sz. 113
Peter PETKOW - Resenco (Fresken) op. 24
Thomas Walter MARIA - Tierra dos coelhos (Hasenland) - Uraufführung
Thomas KÖNIG - Capriccio
Zoltán KODÁLY - Nyári este (Sommerabend)

Besetzung

 

  • Flöte Iglika Christine Verständig
  • Mitteldeutsche Kammerphilharmonie Schönebeck
  • Dirigent Jan Michael Horstmann

Wir danken